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LNPs.Made.Easy.

Part 1: Lipid-Nanopartikel leicht gemacht

Special Delivery:

Expresszustellung in die Zelle

Viele kennen es: Beim Schlendern über einen Markt oder durch kleine Geschäfte im Urlaub taucht plötzlich genau das Fundstück auf, nach dem lange gesucht wurde: eine handgefertigte Keramikvase, filigrane Gläser oder ein einzigartiger Spiegel aus lokaler Handwerkskunst. Ein besonderes Souvenir, das unbedingt mit nach Hause soll. 

Doch wie lässt sich etwas so Zerbrechliches sicher transportieren? Ein paar T-Shirts als Polsterung im Koffer und die Hoffnung auf eine schonende Gepäckbehandlung am Flughafen sind kaum eine verlässliche Strategie. Niemand möchte nach einer langen Reise den Koffer öffnen und feststellen, dass aus dem besonderen Fundstück inzwischen ein Puzzle aus Scherben geworden ist. 

Ganz ähnlich verhält es sich in der Medizin. Viele moderne Wirkstoffe, beispielsweise mRNA, sind äußerst empfindlich und müssen sicher an ihren Bestimmungsort transportiert werden. Ohne geeignete Verpackung und Schutzmechanismen werden sie im Körper schnell abgebaut oder erreichen ihre Zielzellen gar nicht erst. 

Lipid-Nanopartikel (LNPs) fungieren dabei als maßgeschneiderte Verpackung für diese empfindliche Fracht. Sie schützen therapeutische Wirkstoffe vor Schäden, lotsen sie durch die komplexe Umgebung des Körpers und helfen dabei, sie sicher an ihr Ziel zu bringen. Auch wenn dieser Blog keine Packanleitung für das nächste Urlaubssouvenir liefert, lohnt sich ein Blick auf die Strategien von LNPs. Denn ob Keramikvase oder mRNA: bei empfindlicher Fracht entscheidet die Verpackung oft darüber, ob sie unversehrt ankommt.​

 Lipid Nanoparticle formation

Abbildung 1: Schematische Darstellung der Struktur eines Lipidnanopartikels (LNP). Die therapeutische Fracht (z. B. mRNA) ist im Inneren des Partikels verkapselt und wird von einer Lipidmatrix umgeben. Quelle: KNAUER

​Lipid-Nanopartikel rückten während der COVID-19-Pandemie erstmals in den Fokus der breiten Öffentlichkeit. Weniger bekannt ist jedoch, dass ihr Erfolg nicht allein auf der mRNA selbst beruhte, sondern auch auf der Lösung einer deutlich weniger sichtbaren Herausforderung: dem sicheren Transport empfindlicher Wirkstoffe. 

Die Aufgabe ähnelt dem Versand eines zerbrechlichen Pakets. Die Fracht muss vor Schäden geschützt werden, eine komplexe Reise überstehen, am richtigen Ort ankommen und dort zum passenden Zeitpunkt freigegeben werden. Genau diese Herausforderung beschäftigt die Arzneimittelentwicklung seit Jahrzehnten. Besonders anspruchsvoll wird dies bei empfindlichen oder komplexen Wirkstoffen wie Nukleinsäuren, Proteinen, Peptiden oder Komponenten für die Geneditierung. Ohne geeignete Transport- und Schutzsysteme werden viele dieser Moleküle im Körper schnell abgebaut oder erreichen die gewünschten Zellen und Gewebe nicht in ausreichender Menge.


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Abbildung 2: Schematische Darstellung der zentralen Schritte des LNP-vermittelten Wirkstofftransports: Von der Verkapselung über den Transport und die zelluläre Aufnahme bis zur intrazellulären Freisetzung der therapeutischen Fracht. Quelle: Eigene Darstellung

Wie bei jedem Versandgut hängt auch bei Wirkstoffen die optimale Verpackung von den Anforderungen der Fracht ab. Für den Transport von Wirkstoffen gibt es keine Universallösung. Welche Trägertechnologie geeignet ist, wird unter anderem von den Eigenschaften des Wirkstoffs, dem Zielgewebe und der Art der Verabreichung bestimmt. Unabhängig von der Anwendung muss jedes Drug-Delivery-System jedoch dieselben grundlegenden Aufgaben erfüllen: Es muss die Fracht schützen, sicher an den gewünschten Wirkort transportieren und dort kontrolliert freisetzen. Besonders bei empfindlichen und komplexen Wirkstoffen stellt dies eine große Herausforderung dar. Unter den verschiedenen Trägersystemen haben sich Lipid-Nanopartikel als eine der erfolgreichsten und klinisch am besten etablierten Technologien erwiesen, insbesondere für Nukleinsäure-basierte Therapeutika wie mRNA und siRNA.

Schutz der therapeutischen Fracht

Analog zu einer zerbrechlichen Vase, die für einen sicheren Transport sorgfältig verpackt werden muss, besteht die primäre Funktion eines Drug-Delivery-Systems darin, den Wirkstoff auf seinem Weg zum Zielgewebe zu schützen. Unverkapselte Nukleinsäuren, beispielsweise mRNA, werden in biologischen Flüssigkeiten schnell degradiert und besitzen oftmals eine Zirkulationshalbwertszeit von lediglich wenigen Minuten. Geeignete Trägersysteme schützen diese empfindlichen Moleküle vor dem Abbau und verbessern ihre Stabilität während des Transports zum Wirkort.

Effizienter Transport in die Zelle

Der Schutz der therapeutischen Fracht stellt lediglich die erste Herausforderung dar. Selbst ein optimal verpacktes Paket erfüllt seinen Zweck nicht, wenn es den Empfänger nie erreicht. Daher müssen Drug-Delivery-Systeme therapeutische Wirkstoffe gezielt zum gewünschten Gewebe leiten, ihre Aufnahme in die Zielzellen ermöglichen und sie bei der Überwindung intrazellulärer Barrieren bis zu ihrem Wirkort unterstützen. Viele therapeutische Moleküle sind zu groß, zu empfindlich oder zu stark geladen, um die Zellmembran eigenständig zu passieren. Geeignete Trägersysteme erleichtern ihre Internalisierung und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die therapeutische Fracht ihren vorgesehenen intrazellulären Wirkort erreicht.

Maßgeschneiderte Verpackungen

Nicht jede Sendung erfordert die gleiche Verpackungsstrategie: Eine Keramikvase, ein Spiegel oder ein Satz Weingläser stellen jeweils unterschiedliche Anforderungen an die Verpackung. Ebenso erfordern verschiedene therapeutische Anwendungen unterschiedliche Eigenschaften des Trägersystems. Eine ideale Drug-Delivery-Plattform sollte daher flexibel an unterschiedliche Wirkstoffe, Zielgewebe und Applikationswege angepasst werden können, ohne dabei Sicherheit, Wirksamkeit oder Herstellbarkeit zu beeinträchtigen.

Abbildung 3: Schematische Darstellung des Selbstorganisationsprozesses bei der Bildung von Lipidnanopartikeln (LNPs) während des Rapid Mixing. Quelle: Modifiziert nach dem Cayman Chemical LNP Manual.

Warum ausgerechnet Lipid-Nanopartikel?
Unter den zahlreichen entwickelten Drug-Delivery-Technologien haben sich Lipidnanopartikel (LNPs) als eine der vielseitigsten und erfolgreichsten Plattformen etabliert. Moderne LNPs bestehen in der Regel aus vier zentralen Komponenten: ionisierbaren Lipiden, Phospholipiden, Cholesterin und PEGylierten Lipiden. Gemeinsam bilden diese Bestandteile ein hocheffizientes molekulares Verpackungssystem, wobei jede Komponente spezifische Eigenschaften zur Verfügung stellt, die zum Schutz, Transport und zur gezielten Freisetzung empfindlicher therapeutischer Wirkstoffe beitragen.

Entscheidend ist, dass die genaue chemische Zusammensetzung eines LNPs dessen biologisches Verhalten maßgeblich bestimmt. Kritische Qualitätsattribute (Critical Quality Attributes, CQAs) wie Partikelgrößenverteilung, Stabilität, Zirkulationszeit, Biodistribution, Verkapselungseffizienz und Morphologie können gezielt durch die Anpassung der Lipidzusammensetzung beeinflusst werden. Diese hohe Gestaltungsfreiheit ist einer der wesentlichen Gründe dafür, dass sich LNPs zu einer vielseitigen Plattformtechnologie entwickelt haben. Sie ermöglichen heute ein breites Anwendungsspektrum, das von Impfstoffen und Gen-Silencing-Therapien über Proteinersatztherapien bis hin zu Verfahren des Genome Editings reicht. 

Ionisierbare Lipide - Der funktionelle Kern

Ähnlich wie eine Lage Luftpolsterfolie ein empfindliches Souvenir vor Beschädigungen während des Transports bewahrt, schützen ionisierbare Lipide die therapeutische Fracht auf ihrem Weg durch den Körper.

Während der Bildung der Nanopartikel sind sie positiv geladen und können dadurch negativ geladene Nukleinsäuren binden und effizient verkapseln. Nach der Verabreichung werden sie weitgehend neutral, wodurch unerwünschte Wechselwirkungen mit biologischen Komponenten reduziert werden. Nach der Aufnahme in die Zelle wird der Nanopartikel zunächst in einem Endosom eingeschlossen. Dort sorgt das saure Milieu dafür, dass die ionisierbaren Lipide erneut positiv geladen werden. Dadurch kann der Nanopartikel aus dem Endosom entweichen und seine therapeutische Fracht im Zellinneren freisetzen, wo der Wirkstoff seine beabsichtigte Funktion entfalten kann. ​

​Ionisierbare Lipide übernehmen somit eine Doppelfunktion: Sie ermöglichen sowohl die effiziente Verkapselung der therapeutischen Fracht als auch deren gezielte Freisetzung am intrazellulären Wirkort.

Phospholipide - Das strukturelle Gerüst

Während ionisierbare Lipide die therapeutische Fracht verkapseln, verleihen Phospholipide dem Nanopartikel seine Struktur und Stabilität. Ähnlich wie Schaumstoffeinlagen in einem Versandkarton stützen sie den Inhalt und sorgen dafür, dass alles sicher an seinem Platz bleibt.

Phospholipide, die häufig auch als Helper-Lipide bezeichnet werden, verleihen der Formulierung je nach Zusammensetzung unterschiedliche Eigenschaften. Vertreter wie DSPC fördern vor allem die Stabilität der Partikel, während DOPE die Wechselwirkung mit Zellmembranen verbessert und dadurch die intrazelluläre Freisetzung der therapeutischen Fracht unterstützt.

Insgesamt tragen Phospholipide dazu bei, die strukturelle Integrität der Nanopartikel während des Transports zu erhalten und gleichzeitig eine effiziente Abgabe des Wirkstoffs am Wirkort zu unterstützen.​

Cholesterin -  Die molekulare Verstärkung

​Ähnlich wie ein stabiler Versandkarton einem Paket die nötige Festigkeit verleiht, stärkt Cholesterin die Struktur des Nanopartikels und macht ihn widerstandsfähiger gegenüber den Belastungen im Körper. Darüber hinaus beeinflusst Cholesterin die Morphologie und mechanischen Eigenschaften der Partikel sowie den Rückhalt der therapeutischen Fracht. 

Innerhalb des Nanopartikels lagert sich Cholesterin zwischen benachbarte Lipidmoleküle ein und sorgt für eine dichtere Packung der Lipidschicht. Dadurch wird das Austreten der verkapselten Fracht verringert und die Form des Nanopartikels erhalten. Gleichzeitig beeinflusst Cholesterin das biologische Verhalten der LNPs und trägt so zu einer effizienten Wirkstoffabgabe bei​

PEGylierte Lipide – Die schützende Oberfläche​

​PEGylierte Lipide bilden eine hydrophile Hülle um den Nanopartikel. Ähnlich wie Stretchfolie, die ein Paket während des Versands zusammenhält und vor äußeren Einflüssen schützt, verhindert diese äußere Schicht, dass Nanopartikel aneinander haften, und trägt zu einer kontrollierten Partikelgröße bei. 

​Nach der Verabreichung reduziert die PEG-Beschichtung unerwünschte Wechselwirkungen mit Plasmaproteinen und dem Immunsystem. Dadurch kann der Nanopartikel länger im Blutkreislauf zirkulieren und mit höherer Wahrscheinlichkeit sein Zielgewebe erreichen. Je nach chemischer Struktur können sich PEG-Lipide anschließend allmählich von der Partikeloberfläche lösen. Dadurch wird die Wechselwirkung mit Zellmembranen erleichtert und die Aufnahme in die Zielzellen begünstigt.

Insgesamt verleihen PEGylierte Lipide den Nanopartikeln eine „Stealth“-Eigenschaft, indem sie ihre Zirkulation im Körper verlängern und gleichzeitig eine effiziente Zellaufnahme am Wirkort ermöglichen.

Die Leistungsfähigkeit von Lipidnanopartikeln hängt nicht nur von ihrer Zusammensetzung ab, sondern auch davon, wie sie hergestellt werden. Selbst die optimale Kombination verschiedener Lipide kann ihr volles Potenzial nur entfalten, wenn alle Komponenten unter präzise kontrollierten Bedingungen zusammengeführt werden.​

​Lipidnanopartikel entstehen durch einen schnellen Selbstorganisationsprozess. Treffen eine Lipidlösung in Ethanol und eine wässrige Lösung mit der therapeutischen Fracht aufeinander, ordnen sich die Lipide innerhalb von Millisekunden spontan zu Nanopartikeln an und verkapseln dabei den Wirkstoff. Da dieser Prozess äußerst schnell abläuft, hat der Mischvorgang einen entscheidenden Einfluss auf die Partikelgröße, die Verkapselungseffizienz und damit auf die Qualität der resultierenden Formulierung.

Knauer Portfolio for LNP production

Abbildung 4: Überblick über den Herstellungsprozess einer mRNA-basierten Therapie. Eigene Darstellung, adaptiert nach KNAUER Wissenschaftliche Geräte GmbH.

Zur Unterstützung dieses Prozesses bietet KNAUER ein Portfolio fortschrittlicher Misch- und Fluidiktechnologien für die Entwicklung und Herstellung von Lipidnanopartikeln. Von der frühen Formulierungsentwicklung bis hin zur skalierbaren Produktion ermöglichen diese Systeme eine präzise Prozesskontrolle und damit eine reproduzierbare Herstellung hochwertiger Nanopartikel. Das Herzstück dieser Plattformen bilden die von KNAUER entwickelten Impingement Jet Mixer (IJMs), die durch eine hochkontrollierte und effiziente Durchmischung die schnelle Selbstorganisation von Lipidnanopartikeln ermöglichen.

Mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung von Drug-Delivery-Technologien steigen auch die Anforderungen an Misch- und Prozesslösungen. Innovative Technologien, die Fluidik, Mischen, Prozessanalytik und skalierbare Fertigung miteinander verbinden, leisten einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung robuster, reproduzierbarer und zukunftssicherer Herstellungsprozesse für LNPs und unterstützen Forschende sowie Hersteller dabei, den wachsenden Anforderungen moderner LNP-Anwendungen gerecht zu werden. 

Im zweiten Teil dieser Blogreihe werfen wir einen genaueren Blick darauf, was eine effektive LNP-Formulierung ausmacht. Welche Eigenschaften müssen LNPs erfüllen, um als erfolgreiche Wirkstoffträger zu fungieren? Und welchen Einfluss hat der Mischprozess darauf, ob diese Anforderungen erfüllt werden? Begleiten Sie uns und erfahren Sie mehr über die wissenschaftlichen Grundlagen der LNP-Bildung und die zentrale Rolle des Mischens für die Leistungsfähigkeit von Nanopartikeln.


Weiterführende Informationen

Entdecken Sie KNAUERs Portfolio an LNP-Produktionsplattformen mit Impingement Jet Mixern – für jeden Schritt der LNP-Entwicklung, vom R&D-Screening über die Prozessentwicklung bis hin zum Produktionsmaßstab.

Für eine individuelle Beratung kontaktieren Sie uns gerne unter

Für weitere Informationen zu diesem Thema kontaktieren Sie gerne unsere Autorin unter: Regeler@knauer.net

LNPs.Made.Easy.
Isabel Regeler 6. Juli 2026
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